So

18

Okt

2009

Was kostet ein IKEA-Stuhl wirklich?

An diesem Wochenende habe ich mich bei IKEA mit ein paar Möbeln für meine neue Wohnung eingedeckt. Shopping bei IKEA ist immer wieder ein Erlebnis - vor allem Samstags im hektischen Nahkampf-Gerangel mit verliebten Pärchen und Familien mit unzähligen Kindern. Wenn man Samstags bei IKEA ist, hat man definitiv nicht den Eindruck, dass die Geburtenrate in Deutschland sinkt...

Aber das ist nicht das Thema. Tatsächlich geht es um Kauf- und Investitionsentscheidungen, bei denen man sich von günstigen Preisen und einfacher Verfügbarkeit täuschen lässt und am Ende persönlich draufzahlt - mit Blut, Schweiß, Tränen, viel Zeit und evtl. auch noch Geld.

Meine beiden neuen Küchenstühle sind ein gutes Beispiel für dieses Szenario. Der Stuhl heißt "Harry" (sein Zwillingsbruder übrigens auch) und kostet 35€. Das ist auch gut so, denn Harry macht seinem TV-geschichtlich bekannten Namen alle Ehre und spielt in der Wohnung nach den Esszimmer-Stühlen nur eine untergeordnete Rolle. Daher sollte er eben auch günstiger sein, als der Esszimmer-Stuhl (der übrigens nicht "Stefan" heißt).

Aber kostet Harry wirklich 35€? Laut Kassenbon ja. Aber für den Preis ist er noch ein handlich verpackter Karton mit zerlegtem Inhalt. Der tatsächliche Preis ist erst erkennbar, wenn man ihn aufgebaut hat. Und dafür braucht man auf jeden Fall viel Geduld. Aufgrund einer kleinen Usability-Schwäche im Montage-Design hat der Aufbau eine gefühlte Stunde gedauert (mit Pausen zum Fluchen). IKEA erzielt günstige Preise durch standardisierte und simple Fertigungsprozesse in Kombination mit großen Stückzahlen. Skaleneffekte eben. Beim günstigen Stuhl bedeutet dies, dass die Löcher für die 6-Kant-Schrauben so ungünstig gelegen sind, dass man bei jedem Ansetzen nur ca. eine Achtel-Drehung schafft. Wieviel Zeit und Nerven das bei 4 Schrauben und 2 Stühlen kostet, kann man sich jetzt ungefähr ausrechnen.

Harry kostet also wirklich 35€ + 1 Stunde persönliche Freizeit. Wie viel diese Wert ist, muss sich jeder selbst überlegen. Mir war das am Ende zu teuer, aber ich habe eben vorher nicht alle Fakten recherchiert. Sicherlich wäre ein teurerer Stuhl mit einer Montagezeit von 10 Minuten die bessere Entscheidung gewesen.

Wenn Sie also bei der nächsten Kaufentscheidung zwischen zwei unterschiedlich teuren Varianten wählen müssen, dann fragen Sie am besten vorher den Verkäufer und andere Nutzer, welche Folge- oder Opportunitätskosten nach dem Kauf eintreten. Beispiel Fernseher: Wie hoch ist der Energieverbrauch? Wie ist die Lebensdauer? Beispiel Software: Wie lange dauert die Implementierung? Wie ist die Usability? Wie aufwändig wird das Training zur Umstellung? Updates? Wie gut ist der Service?

Bei langfristig ausgerichteten Investitionen sind Zeit und Ressourcen-Einsatz immens wichtig und sollten nicht zugunsten günstiger Angebote ausser Acht gelassen werden. Die günstige Variante kann am Ende ganz schön teuer werden.

 

 

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